3 Texte von Freud, die mich in Leben und Studium beeinflusst haben

Sigmund Freud
Sigmund Freud
Sigmund Freud: Ein umstrittener Psychoanalytiker

Psychologen unter euch: Bitte nicht lesen! Soweit ich weiß, sind Sigmund Freuds Erkenntnisse nicht unbedingt korrekt. Und teilweise bin ich da auch ganz froh drüber, denn der österreichische Psychoanalytiker, den ein Dozent von mir mal als “schwules, pädophiles Wiener-Würstchen” bezeichnet hat, ist unbestreitbar mit einer gehörigen Portion Sexismus aufgeladen. Okay, auch er ist nur ein Mann seiner Epoche. Trotzdem gibt es da ein paar Texte von ihm, die mich durch Studium und Leben wie treue Freunde begleitet haben. Die in fast jeder Hausarbeit Platz finden und die mir Alltagsphänomene ein Stück weit verständlich machen. Wenn du dich mit folgenden Texten noch nicht auseinander gesetzt hast, dann würde ich dir das ans Herz legen.

Das Unheimliche

Diesen Text las ich zum ersten Mal im zweiten Semester in einem Seminar über phantastische Erzählliteratur und er hat mich nie wirklich losgelassen. Vor allem, weil ich von klein auf ein großes Interesse an Gruselgeschichten und Horrorfilmen hatte und mich, wenn ich mal wieder mit Gänsehaut und Herzklopfen im Bett lag, immer wieder fragte: Warum sollte ich mir ausgerechnet diese Art von Filmen und Büchern nicht unbedingt vor dem Einschlafen reinziehen? Warum finde ich das jetzt eigentlich unheimlich? Freud definiert den Begriff und liefert eine Liste von Dingen, die Menschen als unheimlich empfinden. Darunter: Abgetrennte Körperteile (kommt in jedem zweiten Horrorfilm vor), das Prinzip der Wiederholung (zum Beispiel wenn du jede Nacht pünktlich um 3:33 aufwachst), Beseelung von unbeseelten Gegenständen (Chucky – Die Mörderpuppe) und die Nicht-Beseelung von Lebewesen, die man eigentlich für lebendig gehalten hatte (Der Sandmann). Und natürlich die Wiederkehr der Toten (Zombies, Geister und Vampire). Kannst du so bestätigen? Ich auch! Seine Erklärungen, warum wir das als unheimlich empfinden, sind meiner Meinung nach auch äußerst einleuchtend. Ich spoiler mal nicht, lest lieber selbst!

Ich habe diese Theorie in mehreren Hausarbeiten angewendet, unter anderem als ich das Bild des Zombies in Max Brooks’ Zombie Survival Guide und World War Z sowie in dem Film White Zombie analysierte. Seitdem weiß ich auch, wann man etwas ganz sicher nicht mehr unheimlich findet: Wenn man eine wissenschaftliche Arbeit darüber geschrieben hat. Unmöglich, sich noch zu gruseln; wenn man etwas bis ins kleinste Detail beleuchtet hat, es ist geradezu, als hätte jemand in der Geisterbahn das Licht angeknipst. Leider fühle ich mich noch nicht bereit dazu, einen Essay über Mothman oder Das Waisenhaus zu schreiben *gänsehaut*.

Jenseits des Lustprinzips

Dieser Text findet im alltäglichen Leben – egal ob Studium oder Job – ständig Anwendung. Wir alle befinden uns permanent jenseits des Lustprinzips. Denn wie würde die Welt aussehen, wenn wir im Lustprinzip sein würden? Wir würden schreien wie ein Baby wenn wir Hunger haben, unseren Laptop aus dem Fenster werfen wenn wir keinen Bock auf Arbeit haben und jedem Hottie, der uns über den Weg läuft, die Zunge in den Hals stecken, kurz: einfach unseren Trieben nachgeben. Aber da wir zivilisierte Erwachsene sind, tun wir das nicht. Wir überwinden das primäre Lustprinzip und halten den Hunger bis zum Ende der Vorlesung aus, schreiben unsere Hausarbeit fertig und nähern uns dem Schwarm auf etwas zivilisiertere Weise (oder lassen es ganz bleiben, sollte er zum Beispiel verheiratet sein 😉 ). Im Idealfall führt uns das ins sekundäre Lustprinzip: Die Lust, die wir empfinden, wenn wir uns aus dem Komfort des primären Lustprinzip rausbewegt haben, um durch vorübergehenden Diskomfort etwas zu erreichen. Und dann zum Beispiel die Bachelorarbeit fertig geschrieben haben. Wie ich finde ein viel größeres Lustgefühl, als das, was man bei den vom inneren Schweinehund diktierten Aktivitäten empfindet.

Natürlich wäre Freud nicht Freud, würde er nicht irgendein sexuelles Element am Start haben. Laut Onkel Sigmund ist nämlich der Sexualtrieb der einzige Trieb des primären Lustprinzips, der uns irgendwann in jedem Fall einholen wird, wenn wir ihm nicht nachgeben. Früher oder später solltest du den Hottie aus deiner Vorlesung also nach Möglichkeit doch klarmachen!

Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse

Was ich an diesem Text besonders interessant finde, ist das, was Freud die drei Kränkungen der Menschheit nennt. Demnach haben drei wissenschaftliche Erkenntnisse die Menschen in ihren Grundfesten erschüttert:

  1. Der Mensch dachte, er und die Erde seien Mittelpunkt des Weltalls. Kopernikus bewies: Sind sie nicht.
  2. Der Mensch dachte, er sei die Krone der Schöpfung. Darwin bewies: Ist er nicht.
  3. Der Mensch dachte, er beherrsche seinen Willen und sein Bewusstsein. Freuds Theorie von der Libidotheorie des Unbewussten bewies: Ist er nicht.

Diese Kränkungen sind auf viele Diskurse anwendbar, sei es im Studium oder realen Leben. Ich habe sie zum Beispiel auch in meiner Zombie-Hausarbeit angewendet; Zombies sind Menschen, die die Kontrolle über ihr Bewusstsein vollkommen verloren haben und damit die Manifestation der dritten Kränkung. Man kann angesichts aktueller wissenschaftler Erkenntnisse auch noch weitere Kränkungen hinzufügen. Der Mensch dachte zum Beispiel auch bis vor Kurzem, er sei individuell. Klone beweisen: Ist er nicht.

PS: Das Klischee besagt, Geisteswissenschaften finden keine Anwendung im realen Leben. Geistis Go Professional beweist: Finden sie doch.

Was sagt ihr zu Freud – phallusfixierter Sexist oder großer Psychoanalytiker? Und welche Texte sind eure persönlichen Evergreens?

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