Ein Hoch auf die Faulheit: Wie dich das Pareto-Prinzip in Studium und Beruf weiterbringt

Pareto Prinzip für mehr Faulheit
Foto: Drew Coffman

Mach dich bereit: Was jetzt folgt ist ein Loblied auf die Faulheit. Und das beste: Es ist wissenschaftlich fundiert durch das Pareto-Prinzip, auch bekannt als 80-20-Regel. Ich weiß, liebe Geistis, Zahlen, iiiiih. Aber bleibt trotzdem dran, es wird sich lohnen!

Was ist das Pareto-Prinzip und was hat es mit der 80-20-Regel auf sich?

Das Pareto-Prinzip besagt, dass man mit 20 Prozent des Gesamtaufwands 80 Prozent des gewünschten Ergebnisses erreicht. Ab dann geht es also ziemlich unverhältnismäßig weiter. Denn die verbleibenden 20 Prozent zu erreichen kostet stolze 80 Prozent deiner Ressourcen – mit Ressourcen meine ich hier in erster Linie deine Zeit, Kreativität und Energie.

Dazu gibt es einige berühmte Beispiele. So wird meist 80 Prozent des Umsatzes eines Unternehmens mit 20 Prozent der Produkte erzielt. Man führt 80 Prozent der Anrufe und WhatsApp-Konversationen mit 20 Prozent der im Handy gespeicherten Kontakte. Und man trägt 20 Prozent der im Kleiderschrank vorhandenen Klamotten zu 80 Prozent der Zeit.

Was heißt das für uns? Ganz einfach: Wenn du in eine Hausarbeit nur 20 Prozent des Gesamtaufwands investiert, erreichst du bereits 80 Prozent der Note, die du maximal hättest erreichen können. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Referate, Klausuren  und Abschlussarbeiten. Und gleiches gilt – das darf ich gar nicht zu laut sagen – für jeden Blogartikel, den ich für Geistis Go Professional oder meinen anderen Job schreibe. Also warum 100 Prozent, wenn 20 Prozent schon ein richtig gutes Ergebnis erzielen? Naja, ich als Teilzeit-Perfektionistin gebe meistens dann doch mindestens 50 Prozent, weil ich mich mit einem 80-Prozent-Ergebnis nicht zufrieden gebe. Aber 100-Prozent zu erreichen ist sowieso utopisch und mit, sagen wir 60 Prozent erreicht man doch meistens schon eine gute 95. Bist du noch da oder haben die ganzen Zahlen schon deinen Fluchtreflex aktiviert? Keine Sorge, den Mathe-Kram haben wir jetzt erstmal hinter uns.

Perfektion oder Prokrastination: Warum das Pareto-Prinzip für uns Geistis wichtig ist

Ich habe selbst ein paar Semester gebraucht, bis ich das Pareto-Prinzip erkannt hatte (auch wenn ich damals seinen Namen noch nicht kannte). Immerhin – manche meiner Kommilitonen haben es bis zum Abschluss nicht geschafft, es zu verinnerlichen und hatten entsprechende Probleme. Andere – besonders die typischen Faulenzer – wenden es seit der Grundschule an. Das sind diejenigen, die die Hälfte ihrer Bachelorarbeit an einem Wochenende, vielleicht sogar noch unter Alkoholeinfluss, fertig schreiben und trotzdem noch eine Note besser als 2 bekommen. Das andere Extrem schreibt jahrelang an einer 15-Seiten Hausarbeit, weil er oder sie jeden einzelnen Satz zehnmal überarbeitet. Ich denke, ich war und bin irgendwo dazwischen. Ja, ich steigere mich in Aufgaben meistens mehr rein als nötig, aber trotzdem weiß ich, an welcher Stelle ich einen Schlussstrich ziehen und es gut sein lassen.

Genau das ist nämlich etwas, womit viele Geistis Probleme haben. Das liegt zum einen daran, dass unsere Forschungsgebiete oft unerschöpflich sind. Es gibt immer noch eine Quelle oder einen Aufsatz mehr zu lesen, es gibt immer noch einen Aspekt mehr zu beleuchten. Geisteswissenschaftliches Arbeiten kann ein bodenloses Fass sein. Themen richtig eingrenzen ist das Geheimrezept, um sich nicht zu verzetteln.

Andererseits denke ich, dass ein Großteil des geisteswissenschaftlichen Perfektionismus auch eigentlich die schäbige alte Prokrastination in einer tugendhaften Verkleidung ist. Wir prokrastinieren mit der Ausrede, die Hausarbeit sei noch nicht gut genug, damit wir in unserer Argumentation noch nicht auf den Punkt kommen müssen. Wir prokrastinieren mit Perfektionismus die Fertigstellung unserer Masterarbeit, damit wir uns nicht dem Leben nach Uni in der bösen, kalten Welt da draußen stellen müssen. Ist ja auch verständlich. Und, solange es ein gesundes Maß nicht überschreitet, vollkommen in Ordnung. Trotzdem…

“Better done than perfect”

… lautet das Motto, wenn du dann doch mal was fertig kriegen willst. Sei es das Aufbaumodul, die Abschlussarbeit oder der erste Artikel, den du im Praktikum beim lokalen Online-Magazin in die Hände gelegt bekommen hast. Vielleicht naht die Deadline, vielleicht auch nicht, aber es wird einfach mal Zeit. In jedem Fall: Das Pareto-Prinzip im Hinterkopf zu behalten, kann beruhigend wirken. Deshalb: Bleib dran, aber übernimm dich nicht. Das ist es nicht wert.

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