Stream of Consciousness – Wie dir James Joyce bei Schreibblockaden hilft

Stream of Consciousness
Stream of Consciousness
James Joyce machte den Stream of Consciousness als Schreibstil berühmt

Wofür ist der irische Schriftsteller James Joyce berühmt? Die Literaten unter euch wissen es vielleicht… für seinen verwirrenden und viel zu langen Wälzer, dessen Handlung nur an einem einzigen Tag spielt? Jaaaa, auch… und für welche Technik ist dieser Wälzer (er heißt übrigens Ulysses) bekannt? Richtig! Den Stream of Consciousness. Besonders prägnant ist er am Ende. Über mehr als 50 Seiten erstreckt sich der Gedankenstrom der Figur Molly Bloom, ohne Punkt und Komma. Einfach eine Aneinanderreihung der Gedanken wie eine Person sie wirklich haben könnte, ohne Struktur, einfach Assoziationen wie sie natürlicherweise aufkommen, kurz bleiben, gehen und zum nächsten Gedanken führen. Ob man den Ulysses deshalb mag oder nicht, sei jedem selbst überlassen (ich hatte mal eine Dozentin, die meinte, das sei das einzige Werk, aus dem man zitieren darf, ohne es gelesen zu haben). Aber die Stream of Consciousness-Technik ist auf jeden Fall eine genauere Betrachtung wert, denn sie kann uns im Alltag äußerst nützlich sein.

Stream of Consciousness gegen Schreibblockaden

Wer kennt das nicht. Du hast die Abgabe für eine Hausarbeit oder sogar die Abschlussarbeit im Nacken und sitzt vor einem leeren Word-Dokument, unfähig auch nur ein Wort zu “Papier” zu bringen. Oder: Du hast gerade dein erstes Praktikum bei der lokalen Tageszeitung angefangen, deinen ersten Schreibauftrag bekommen, und obwohl du ausführlich recherchiert hast, wollen dir die richtigen Worte für den Artikel einfach nicht in den Sinn kommen. Die klassische Schreibblockade. Sie kann unglaublich frustrierend sein, aber schon allein die Fülle an Tipps im Internet und auf dem Buchmarkt zeigt, dass du damit nicht allein bist. So hat beispielsweise copyblogger.com seine eigene Redaktion befragt, was sie gegen die klassische Schriftsteller-Krankheit tun. Auch in dem Buch Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes a Day gibt es ausführliche Tipps dazu.

Der Ratschlag, über den ich dabei immer wieder gestolpert bin und der mir persönlich am meisten hilft, ist der Stream of Consciousness. Denn wenn wir eine Schreibblockade haben, liegt das ja meistens nicht daran, dass wir per se nicht schreiben können, sondern eher daran, dass wir meinen gerade nicht vernünftiges Schreiben zu können. Deshalb: Vergiss Struktur, Zeichensetzung, Rechtschreibung, vergiss sogar den Sinn als solchen. Schreibe einfach deine Gedanken auf wie sie dir gerade kommen, schalte sozusagen den “Filter” zwischen Gehirn und Tastatur/Stift aus. Wahrscheinlich wirst du eine wilde Mischung aus Gedanken über Privates, über Alltag und Umgebung und über das tatsächliche Thema deiner Arbeit niederschreiben. Aber mir geht es dann meistens so, dass sich während des Stream-of-Consciousness-Schreibens meine Gedanken von alleine ordnen und ich dabei die “Angst” davor verliere, mit meiner eigentlichen Arbeit anzufangen. Und selbst wenn das nicht passiert – ich schreibe wenigstens über irgendetwas, worin mein eigentlich Thema mit hoher Wahrscheinlichkeit auch irgendwie vorkommt. Und darin sind dann häufig doch noch Gedanken und Paragraphen, die man in irgendeiner Form verwerten kann.

Stream of Consciousness für mehr Kreativität

Mangelnde Kreativität, keine Ideen, die Abwesenheit der Muse oder wie auch immer man es nennen möchte, ist eine häufige Ursache der Schreibblockade. Und hier ist zumindest für mich persönlich der Stream of Consciousness das beste Mittel, die Ideen zu wecken, die tief in einem schlummern aber einfach nicht aufwachen wollen. Denn was dabei im Grunde passiert, ist, dass man in einen Dialog mit sich selbst tritt. Und schon Heinrich von Kleist wusste, dass Dialoge das beste Mittel sind, Gedanken zu ordnen und Ideen zu entwickeln. In “Über die Verfertigung der Gedanken beim Sprechen” schreibt er auf herrlich sexistische Art darüber, wie er seiner Schwester von seiner Arbeit erzählt und dabei auf die besten Ideen kommt, obwohl die gute Dame eigentlich keine Ahnung von dem hat, was er tut und entsprechend wenig sinnvolle Antworten gibt. Es kommt also nicht darauf an, dass man sich von jemandem Tipps und Inspiration holt, sondern nur darum, dass man die eigene Gedanken in Worte fasst. Natürlich kannst du auch vor deinem Mitbewohner oder deiner Katze monologisieren, um deine Kreativität zu fördern. Aber der Stream of Consciousness ist eine etwas elegantere Möglichkeit mit dem gleichen Effekt und kann dazu auch während der Vorlesung, im Büro oder in der Unibibliothek praktiziert werden, wo laute Monologe eher weniger gern gesehen sind.

Stream of Consciousness gegen Sorgen und Konzentrationsprobleme

Auch wenn dir Sorgen und private Probleme die Konzentration rauben, hilft es, ein bisschen James Joyce zu spielen. Im Stream of Consciousness kannst du einfach alles niederschreiben, was dich gerade beschäftigt. Liebeskummer, Angst vor der nächsten Prüfung, finanzielle Probleme… schreib es einfach auf, genauso wie es dir in den Sinn kommt. Das kann dir dabei helfen, deine Sorgen für eine Weile loszulassen und anschließend konzentriert zu arbeiten. Generell ist der Stream of Consciousness etwas sehr heilsames. Gedanken und Gefühle niederzuschreiben hilft, sich davon zu distanzieren – manchmal sogar soweit, dass man die Probleme gar nicht mehr als Probleme wahrnimmt. Die meisten davon entstehen nämlich in unserem Kopf. Deshalb solltest du unbedingt ein Ventil finden, sie da rauszulassen!

Lust auf mehr James Joyce? In einem Artikel für Travelista.club habe ich darüber geschrieben, wie man Ulysses als Reiseführer für Dublin benutzen kann.

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