Literatur und Medienpraxis: Ein Master für Experimentierfreudige

Literatur und Medienpraxis
Foto: Laura Lee Moreau

“Irgendwas mit Medien”: Das ist eine typische Antwort, wenn man Literaturstudenten nach ihren beruflichen Plänen fragt. Die Universität Duisburg-Essen bietet einen Master an, der genau das im Titel vereint: Literatur und Medienpraxis, kurz “LuM”. Was lernt man in diesem Studiengang und für wen eignet er sich?

Alles mal ausprobieren

Die 27-jährige Theresa Müller studiert den Master Literatur und Medienpraxis nun im vierten Semester und weiß vor allem zu schätzen, dass man sich darin einfach mal ein bisschen in verschiedenen Bereichen ausprobieren kann. Es wird grundlegendes Praxiswissen für einige Berufsfelder vermittelt, in denen Literaturwissenschaftler nach dem Studium klassischerweise arbeiten; darunter Verlag, Zeitung, Radio, Film und Fernsehen sowie Wissenschaft. Vor allem der Bereich Film hat es Theresa angetan. Im Studium hat sie gelernt, wie man Kamera und Schnittcomputer bedient. Im Rahmen eines studienbezogenen Projekts hat sie außerdem einen eigenen Kurzfilm gedreht, der auf nrwision ausgestrahlt wurde, einem Fernsehsender, der Produktionen von filmschaffenden Studierenden aus ganz NRW veröffentlicht. “Wenn man Literaturwissenschaft studiert, sagt man vielleicht immer, dass man sowas mal ausprobieren möchte, aber tut es dann doch nicht. Es ist schon gut, dass das bei LuM Teil des Studiums ist.” Tatsächlich bekommen LuM-Studierende für Projekte wie dieses auch Punkte fürs Studium. So wird hier das zum Studieninhalt, was sonst viele als freiwilliges Projekt neben dem Studium machen würden, um Praxiserfahrung zu sammeln.

Und was ist mit Digitalisierung?

“Die digitalen Medien kommen leider zu kurz”: Das ist Theresas größter Kritikpunkt am Studium. Die Praxismodule geben schließlich doch hauptsächlich Einblicke in eher traditionelle Branchen. Um dem entgegenzuwirken, hat eine Gruppe engagierter Studierender vor einiger Zeit das Projekt “Digitur” ins Leben gerufen, für das auch Theresa als Redakteurin tätig ist.

Auf diesem Blog berichten LuM-Studierende über Themen rund um Literatur in der digitalen Welt – ein Thema, das für heutige Literaturwissenschaftler immer mehr an Relevanz gewinnt. Wie beeinflussen zum Beispiel die in E-Readern integrierten Algorithmen die literarische Welt und wie werden Videospiele als Romane adaptiert? Die hochbrisanten Artikel des Online-Magazins würden sich auch richtig gut als Seminar- und Hausarbeitsthemen machen. Denn sie schlagen die Verbindung zwischen Literatur und Digitalisierung, die vor allem die älteren Semester der Literaturwissenschaftler gerne zugunsten der “verstaubteren” Themen auszublenden versuchen.

Jeder ist seiner eigenen Karriere Schmied

Theresa ist auf jeden Fall der Meinung, dass die Digitalisierung Geisteswissenschaftlern interessante Berufschancen eröffnen wird, die es vorher nicht gegeben hat. Sie selbst arbeitet neben dem Studium in einer Internetagentur und schreibt dort Texte für Blogs und soziale Medien – ein Job, den es vor der digitalen Wende noch nicht gegeben hat.

Nach dem Studium kann sie sich aber auch gut vorstellen, im Bereich Film und Fernsehen zu arbeiten. Ob der Studiengang den Absolventen dank des Praxisbezugs den Berufseinstieg erleichtern wird? “Kommt drauf an, was man daraus macht”, meint Theresa. Denn wie in jedem Studiengang lernt man auch hier nur so viel, wie man lernen möchte. Sie hat dabei jedenfalls ihre Begeisterung für Film und Fernsehen entdeckt und ihre Skills weiter ausbauen können – jetzt wird sie im ersten Job nach der Uni dann auch schon technisches Basiswissen mitbringen.

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