Warum du als Geisteswissenschaftler raus in die Welt solltest

Geistis sollten raus in die Welt
Geistis sollten raus in die Welt
Diesen Blick kann deine Unibibliothek nicht bieten 😉

Auslandssemester ja nein? In den Semesterferien für ein Praktikum drei Monate nach London? Eine Städtereise durch Italien und Griechenland? Oder mit dem Rucksack nach Südamerika? Wenn du dir diese Fragen stellst, habe ich eine klare Antwort für dich: Mach es! Egal, was es ist. Denn gerade für Geisteswissenschaftler ist es wichtig, raus in die Welt zu gehen.

1. Neue Perspektiven

Wahrscheinlich ist dir schon klar, das Geisteswissenschaften mehr als nur ein Studium sind. Dass du nicht studierst, um anschließend mit bestimmten Skills aus der Uni zu kommen, sondern um ein grundlegendes Verständnis deines Fachs und der Welt zu bekommen. Neue Zusammenhänge erschließen sich dir deshalb manchmal dann wenn du es am wenigsten erwartest. Unter der Dusche, beim Abendessen mit den Eltern oder um vier Uhr nachts beim Tanzen im Club. Oder eben dann, wenn du neue Orte siehst, neue Leute triffst, alles fremd und aufregend ist. Also raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die große weite Welt! Ich persönlich sehe ein geisteswissenschaftliches Studium hauptsächlich als Charakterbildung. Und dazu gehört es eben, auch mal die Komfortzone zu verlassen, um neue Perspektiven zu bekommen. Das wiederum wird dir bestimmt auch für Studium und Beruf was bringen: Im Auslandssemester oder auf Reisen stößt du vielleicht auf neue Themenideen für zukünftige Hausarbeiten oder die Abschlussarbeit, auf die du zu Hause nicht gekommen wärst. Oder du findest deine persönliche Zukunftsperspektive. Der Bibliothekar im Trinity College, die Stadtführerin in Paris, die Business Lady im Silicon Valley oder auch der Bauer im Bergdorf in Peru – vielleicht hast du hier den Moment, in dem es dir wie Schuppen von den Augen fällt und du weißt: Das will ich später machen.

2. Gut für den Lebenslauf

Ja, hier muss auch ein pragmatischer, unromantischer Grund rein. Heutzutage wird in den meisten Jobs erwartet, dass ein längerer Auslandsaufenthalt irgendwo in deinem Lebenslauf steht. Hier kommt ein Praktikum oder Auslandssemster natürlich besser an als ein Party-Backpacking-Trip oder ein halbes Jahr im Ashram. Aber auch das Potential der letzteren beiden Optionen ist nicht zu unterschätzen – viele Unternehmen suchen interessante Charakterköpfe.

3. Fremde Kulturen verstehen

Auch wenn dein Studiengang nicht explizit als “Kulturwissenschaften” ausgeschrieben ist – wenn du eine Geisteswissenschaft studierst, dann studierst nur automatisch auch in irgendeiner Form eine oder mehrere Kulturen. Um das richtig zu machen, solltest du das auch nicht nur in der Theorie aus dem Schutz deiner Unibibliothek heraus tun, sondern fremde Kulturen auch mal in der Realität auschecken. Wenn du jetzt nicht ausschließlich Germanistik oder Deutsche Geschichte studierst, dann heißt das eben, auch mal die heimischen Gefilde zu verlassen.

4. Sprachen lernen

In den meisten geisteswissenschaftlichen Studiengängen spielen Fremdsprachen eine große Rolle. Sei es, um wissenschaftliche Texte im Original zu lesen oder die Feinheiten einer Kultur, die man erforscht, näher zu verstehen. Auslandsaufenthalte sind also auch aus diesem Grund prinzipiell eine gute Idee. Am besten lernt man eine Fremdsprache natürlich durch ein Auslandssemester, Auslandspraktikum oder einen mehrwöchigen Sprachkurs am Ort deiner Wahl. Aber auch Städtetrips und Rucksacktouren helfen, egal ob lang oder kurz – vorausgesetzt du bist offen und lernbereit!

5. Vom Text zur Realität

Ob du nun Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte oder Ethnologie studierst – du hast bestimmt schon von vielen Orten gelesen. Von Städten und Landschaften, Gebäuden, Museen, Bibliotheken und Cafés. Wird also Zeit, sie live zu sehen! Für mich als Literaturwissenschaftler war es überwältigend, in den Fußstapfen von Leopold Bloom aus Ulysses durch Dublin zu streunen. Oder mit meiner Catedrá-Originalausgabe des Don Quijote im Gepäck die Windmühlen von Castilla La Mancha zu sehen. Für dich ist das vielleicht ein Gemälde im Prado oder das Kolosseum in Rom. Was auch immer es ist – besuche es! Wie gerne ich lese, Texte ersetzen niemals das reale Erlebnis. Mein Englisch-Professor, der uns im Rahmen einer Exkursion durch Manhattan führte, hielt vor dem Guggenheim-Museum eine feurige Rede darüber, dass wir eines Tages an Orte wie diesen zurückkehren würden, um unsere Lieblingsgemälde zu besuchen: “Denn Ihre Freunde und Verwandten können Sie verlassen oder sterben. Diese Kunstwerke werden Sie nicht verlassen. Auch sie sind alte Freunde, die Ihrem Leben Stabilität geben.”

6. Die Welt verstehen

Jede Erfahrung ist wertvoll, denn sie trägt dazu bei, sich selbst und die Welt besser zu verstehen. Und ist es nicht auch das, was uns zu unserem Studium motiviert hat? Ich war viel in der Welt unterwegs; ein Auslandssemester in Sevilla, ein Roadtrip durch Kalifornien, ein Besuch bei Freunden in Brasilien, ein Jahr arbeiten in Dublin, ein Monat in Indien zur Yogalehrerausbildung, zweieinhalb Monate als Backpackerin und digitale Nomadin in Indonesien, Thailand, Kambodscha und Vietnam – nicht zu vergessen von vielen kleinen Trips in coole Städte und wilde Natur in den verschiedensten Ecken von Europa. Und es wird sicher nicht bei diesen Trips bleiben, denn ich werde weiterhin regelmäßig reisen. Nicht jede dieser Erfahrungen war leicht – manche davon haben mich sogar teilweise richtig angekotzt und in kleine und große Existenzkrisen gestürzt. Aber das gehört bei uns Geistis wohl so oder so zum Leben dazu. Ich hätte keine dieser Erfahrungen missen wollen.

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